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Azi Forum

Hier veröffentlicht der Club Azawakh Swiss Briefe und Kommentare die uns Schriftlich oder per E-mail erreichen.
Ihr E-mail an den Club Azawakh Swiss: forum@azawakh.ch

 

Datum: 02.02.2008
Von:
Dr. Werner Röder

DIE GESCHICHTE VON HAPPY

Liebe Azawakhfreunde - vor gut einem Jahr habe ich HAPPY alias Azenfouk, unseren jüngsten >Idi< aus dem Sahel, in der Nähe des alten Tuaregzentrums Menaka in Mali gefunden. Happy hat nicht nur einen ungewöhnlichen Immigrationsweg; sie ist uns auch durch ihr liebenswertes Naturell besonders ans Herz gewachsen und wir möchten Euch mit ihrer bisherigen >Biographie< an unserer Freude über diesen Zugewinn für die Azawakh-Community außerhalb Afrikas teilhaben lassen.
Herzliche Grüße

Werner  

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DIE  GESCHICHTE  VON
>Happy< (Azenfouk)
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24. Januar 2007:  Die 17. Azawakh-Expedition hat am Vorabend ihr Lager hinter der großen Düne von Menaka (Mali) aufgeschlagen. Der morgendliche Blick aus dem Zelt  verspricht: Das wird ein besonders schöner Tag!

Bild Happy 1
Ein früher Besuch hat sich eingestellt …

Bild Happy 2

… und es dauert nicht lange, bis die Neugier des Azawakhs Oberhand über die angeborene Vorsicht  gewinnt:
Ein wunderschöner Idi, das zeigt sich jetzt, und überdies eine Mutterhündin, die irgendwo in einem nahen Nomadencamp
ihren Wurf aufzieht!

Bild Happy 3


Bild Happy 4
Auch ihr Gefährte ist nicht weit und nimmt aus angemessener Entfernung die Aufgabe als Beschützer seiner zwei- und vierbeinigen Familienmitglieder wahr:
Bild Happy 5


Bild Happy 7
Bald stellen uns die Nomaden auch den Nachwuchs vor.  Marya Morales und ich sind glücklich über die beiden kleinen Hündinnen, die sie uns überreichen. Die traditionellen Gegengaben: Tee, Zucker, Tabak, Kleidungsstücke, Seife und Schmuck. Idis sind nach den alten Regeln der Hirtenstämme keine Handelsware. Doch willkommenen Gästen, die ihre Bewunderung zeigen, gibt man sie gern zum Geschenk.
Bild Happy 8 
 Mein Adoptiv-Azi bekommt den >Arbeitsnamen< Azenfouk – ein Kosewort ohne Bedeutung, das aber irgendwie „einheimisch“ klingt.
Bon voyage …

Bild Happy 9


Bild Happy 10
Azenfouk ist bald ein lebhaftes Mitglied unserer Karawane:

Bild Happy 11


Bild Happy 12
Die Expedition erreicht  über Burkina Faso den Ausgangspunkt Niamey, die Hauptstadt von Niger. Normalerweise hätten die drei „deutschen“ Azis mit ihren Impf- und Gesundheitszeugnissen nun den Flug nach München, Frankfurt und Berlin in Begleitung ihrer Besitzer  antreten können. Diesmal müssen sie erst über den Großen Teich in David Moores Azawakh-Pensionat, um dort auf die Dokumente zu warten, die sich die EU in einer ihrer vielen >Richtlinien< neu ausgedacht hat.
Bild Happy 13
Die Besuche aus Europa sind Höhepunkte im fröhlichen Gruppenleben der Azis auf Davids Ranch in Georgia. Oben begrüßt Happy ihre Expeditionsfreundin Corine Lundqvist aus Frankreich.

Bild Happy 14
Trotzdem: Warten auf das Visum ist für Einwanderer mitunter langweilig. Auch wenn, wie hier, Happys  vertraute Wurfschwester aus der  afrikanischen Heimat  ihr Gesellschaft leistet. Aber schließlich ist es dann doch so weit!  Der Grenzveterinär am CDG-Airport in Paris darf das Tor in die >Festung Europa< und den Weg zum Weiterflug nach Deutschland freigeben. Happy und ihre Reisegefährten sind  inzwischen routinierte Flugpassagiere. Was nichts daran ändert, daß die Einfuhr- richtlinie aus Brüssel Teil  jener  bürokratischen Überregulierung ist, gegen die wir uns als EU-Bürger zur Wehr setzen sollten.     

Endlich in München: Happy ist glücklich mit ihren neuen >Tanten<  Jetu (rechts) und Mila …
Bild Happy 15
… und später mit dem umtriebigen N-Wurf >of Silverdale<
Bild Happy 16 

 

…und mit ihrer >kleinen Schwester< Nadira (rechts), die hier schon dem Welpenalter entwachsen ist und Happy fast zum Verwechseln ähnlich sieht.

Bild Happy 17

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HAPPY war von Anfang an ein überaus fröhlicher Azawakh – deshalb hat sie auch ihren Rufnamen bekommen.
Wir freuen uns auf eine wunderbare Zeit mit ihr im Kreis der
Silverdale-Familie.  
Happy im Alter von zehn Monaten

Bild Happy 18

© Dr. Werner Röder (Januar 2008)

 

Fotos: Gerhard Hanss, Corine Lundqvist, Elisabeth Naumann, Werner Röder und Christiane Thier-Rostaing
Einen Bericht über die 17. Azawakh-Expedition durch Niger, Mali und Burkina Faso vom Januar/Februar 2007 gibt es bei www.azawakhs.eu .

 


Datum: Neuigkeiten über die 17. Azawakh-Expedition
Von:

Aufgezeichnet von Dr. Werner Röder und Corine Lundqvist - Statistik und Graphiken von Elisabeth Naumann

Liebe Freunde und Förderer von ABIS,

Neuigkeiten über die 17. Azawakh-Expedition sind den Rückkehrern von dieser Reise schon aus Afrika vorangeeilt.  Nicht ganz ohne Grund, handelte es sich doch um eine besondere Unternehmung. Sie hat eine längere Vorgeschichte.  Unsere Beobachtungen der letzten Jahre hatten gezeigt, daß die Situation der Azawakhs in ihrer Herkunftsregion nicht zu optimistisch eingeschätzt werden darf – die zahlenmäßig abnehmenden Statistiken waren zwar auch den vorangegangenen schlechten Regenperioden und Ernteerträgen geschuldet, haben aber gewiß auch mit der unaufhaltbaren Bedrohung der nomadischen Herdenwirt- schaft  zu tun. Bei den Züchtern und Liebhabern in Europa und Übersee ist mittlerweile die Einsicht vorangekommen, daß  die Zukunft der Rasse von weiteren Importen aus dem Ursprungsgebiet abhängig sein wird. Die Abkehr vom europäisch hochgezüchteten Hyper-Typ  zugunsten der Erhaltung autochthoner Hunderassen gehört bereits zum Mainstream der neueren Kynologie.  Dies sind erfreuliche Entwicklungen, die den Zielvorstellungen von ABIS entgegenkommen. Ein erhebliches Hindernis ergab sich dagegen durch die 2004 erlassenen Richtlinien der Europäischen Union; sie sollen nach einer Reihe von Tollwutfällen das unkontrollierte Mitbringen von „Mitleidshunden“  - vor allem aus den touristischen Anrainerstaaten des Mittelmeers - seuchenpolizeilich unterbinden.  Die von bürokratischem Regelungsdrang  gekennzeichnete Brüsseler  Verordnung erfordert unter anderem eine mehrmonatige, veterinärmedizinisch überwachte Wartezeit des Importhundes im Ausland  - Voraussetzungen, die unter den im afrikanischen Sahel gegebenen Verhältnissen nicht  zu erfüllen sind. 2006 mußten wir zwei vielversprechende Welpen aus Mali, die sich mittlerweile zu prächtigen Azawakhrüden ausgewachsen haben, im Besitz von Ayad ag Inachanan und Mahaman Yaou in Afrika lassen. Wir haben deshalb in enger Zusammenarbeit mit David Moore, unserem ABIS-Delegue in Amerika, Ersatzmöglichkeiten für den legalen Import von Azawakhwelpen aus der Ursprungsregion erkundet. Als günstigste Zwischenstation für die Einfuhr in die EU erwiesen sich dabei die Vereinigten Staaten, die (wie vordem auch in Europa üblich) amtstierärztliche Impf- und Gesundheitszeugnisse zur Voraussetzung machen und eine Hausquarantäne für Welpen unter dem impffähigen Alter vorsehen. David und Aaron waren bereit, auf ihrer Farm in Georgia für später nach Europa weiterreisende Hunde zu sorgen und sich um die Einholung der von der EU dafür geforderten Dokumente zu kümmern. Die  Abklärung aller Einzelheiten mit den amerikanischen Veterinär- und Zollbehörden war Teil der langen Vorbereitung, gleiches galt für die Transportvorschriften bei den interkontinentalen Flugverbindungen samt den zu erwartenden Kosten und  die Versorgung beim exterritorialen Zwischenaufenthalt in Paris durch den Tierbetreuungsdienst des dortigen Flughafens. Entsprechende Arrangements wurden vorab telefonisch und per E-Mail auch mit den zuständigen Leuten des Airports in Niamey/Niger vereinbart. Mit unserem Tuareg-Freund Mahaman  und seiner Offroad-Agentur war ein geeigneter Zeitraum abzusprechen; wir legten Wert darauf, daß wieder die bewährte Mannschaft mit Fahrer, Mechaniker und Koch dabei sein würde, die schon bei früheren Fahrten die besonderen Ansprüche einer ABIS-Expedition verinnerlicht hatte. Insgesamt also ein hoher logistischer Aufwand, da im Interesse der erhofften Adoptiv-Azis zumindest organisatorisch nichts dem Zufall überlassen bleiben sollte – wobei uns nach den Erfahrungen mit der Wurffrequenz der letzten Jahre eine Gesamtzahl von mehr als fünf oder sechs Welpen mit entsprechender Qualität, dem erwünschten Geschlecht und dem geeigneten Alter als kaum wahrscheinlich erschienen ist.  Hier sollten uns Überraschungen bevorstehen. Überraschend war auch die Reaktion von Azawakhfreunden auf die per Website (www.azawakhfriends.com) im Sommer 2006 verbreitete Einladung, sich um eine Teilnahme an dieser speziellen Expedition zu bewerben. Aus sieben Ländern haben sich weit mehr Interessenten gemeldet, als drei Geländefahrzeuge hätten fassen können. Zum Trost blieb den übrigen die Möglichkeit, bei persönlich befreundeten Expeditionsteilnehmern einen Wunschazawakh - natürlich nur Insh’Allah! - in Auftrag zu geben. Mitte Januar haben sich schließlich acht  Azawakhleute auf den Weg nach Afrika machen können: David Moore (Idiiyat-es-Sahel) und Marya Morales aus den USA, Corine Lundqvist (Garde d’Epee) aus Frankreich, Alberto Rossi (Tigidit ) und Claudia Gemmato aus Italien, Christiane Thier-Rostaing (Agg Amaias), Gerhard Hanss und Werner Röder (of  Silverdale) aus Deutschland.  David und Marya sind eine Woche im Voraus in den Niger geflogen, um ein welpengeeigne- tes Basislager außerhalb von Niamey für die Zeit zwischen unserer Rückkehr aus dem Busch und der Reise über den Großen Teich zu finden.  Dies mit großem Erfolg: Das weitläufig umfriedete Wochenendgrundstück von Mahaman und seiner französischen Ehefrau direkt am Niger samt Seerosenufer und planschenden Flußpferden erwies sich später als idealer Platz für unsere Zelte und die lebhaften Umtriebe einer Schar junger Idis, mit denen wir in einem downtown-Hotel natürlich kein Unterkommen gefunden hätten.

Am 17. Januar ist der ABIS-Konvoi, u.a. beladen mit Hilfsgütern für Tin Akoff, in Richtung Ouallam aufgebrochen. Von da an sind wir fast tagtäglich mit neuen „Azawakh-Funden“ konfrontiert gewesen. Schon das erste Nachtlager vor Bani Bangou haben wir mit zwei etwa fünf und sechs Wochen alten Welpen geteilt. Die nächsten Tage galten Besuchen in verstreuten Tuareglagern unter Führung eines einheimischen Guide. Als die Gruppe am 21. Januar den malischen Grenzposten von Anderamboukane erreichte, waren unsere optimistischsten Erwartungen mit dreizehn Welpen an Bord schon weit überschritten.

Der aktuelle Stand der Azawakhpopulation entlang unserer Route ist in dem anschließenden Beobachtungsprotokoll beschrieben. Manche Zahlenwerte mögen ihren Grund auch in einem günstigen Zusammentreffen mit  Nomaden in gerade bevorzugten Weidegebieten haben. Ausschlaggebend für die außergewöhnliche Nachwuchssituation dürfte jedoch die bedarfsgesteuerte Wiederherstellung des Hundebestands nach mehreren wirtschaftlichen Krisenjahren unter dem Vorzeichen einer derzeit ausreichenden Versorgungslage sein.

Die Expedition ist am 28. Januar in Tin Akoff angelangt  und hat dort und bei Exkursionen im Beligebiet die Umschau nach geeignetem Nachwuchs fortgesetzt. Bei ihrer Rückfahrt nach Niamey über Dori und Tera  hatte sie die stolze Zahl von zwanzig Idis an Bord.  Die gewohnte Prozedur mit Impfbestätigungen und Gesundheitszeugnissen mußte diesmal mit Blick auf die spätere EU-Einfuhr einzelner Hunde durch Tätowierung und Exportgenehmigungen der afrikanischen Transitstaaten ergänzt werden. Bis zu ihrem Abflug haben David und Marya mit der Hilfe  Mahamans und seiner Leute alle Hände voll zu tun gehabt.  Am 7. Februar sind die Azis in Begleitung von David und Marya  gesund und wohlbehalten mit Air France in Atlanta gelandet.  Die elf  „Europäer“ unter ihnen erfreuen  nach Ablauf der Wartezeiten mittlerweile ihre Besitzer in Italien (5), Frankreich (3) und Deutschland (3).

Ich hoffe, daß eine gute Zahl der 9 Rüden und 11 Hündinnen Eingang in die Azawakhzucht finden und einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Rasse in Europa und Übersee leisten wird. Unsere geduldige Arbeit zugunsten eines genetischen Fundaments außerhalb Afrikas kann aber auch mit dieser erfolgreichen Unternehmung nicht abgeschlossen sein.

Ein Kameramann war diesmal leider nicht mit von der Partie. Es gibt aber prächtige Foto-CDs von Corine Lundvist, Christiane Thier-Rostaing und Gerhard Hanss. Ein Teil der Bilder erscheint in Serie auf David Moores Website www.azawakh.com. Weitere Berichte und Bewertungen seitens unserer Expeditionsteilnehmer in ihren jeweiligen Landessprachen sind zu erwarten.

Das nachfolgend wiedergegebene Beobachtungsprotokoll  enthält vorerst nur die Erhebungsdaten für Niger und Mali. Die um Burkina Faso erweiterten Statistiken werden im  Jahresbericht  2006/2007 abgedruckt; Veränderungen bei den allgemeinen Ergebnissen und ihrer Interpretation sind dabei aber nicht zu erwarten.

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Beobachtungsprotokoll  der 17. Azawakh-Expedition 2007

Aufgezeichnet von Dr. Werner Röder und Corine Lundqvist - Statistik und Graphiken von Elisabeth Naumann

Die 17. ABIS – Expedition mit  8 Teilnehmern aus den USA, Frankreich, Italien und Deutschland führte zwischen dem  17. und   30. Januar 2007 ab  Niamey (Niger) durch die Region um Ouallam und Bani  Bangou  nach Anderamboukane (Mali), durch Landstriche des Wadi Assouagh bis Menaka , bei  Ansongo  über den Niger in Richtung Tin Akoff  (Burkina Faso) und via  Dori und Tera (Niger) zurück nach Niamey. 
In den folgenden Aufzeichnungen sind 60  Azawakhs  auf den Streckenabschnitten in Niger und Mali individuell erfaßt. Eine weitere Anzahl konnte umständehalber, das heißt aufgrund zu großer Distanzen bzw.  bei ihrer Verfolgung der fahrenden Autokolonne oder nach Einbruch der Dunkelheit  nicht im einzelnen protokolliert werden.  Ebenso ist auf die Zählung erst kürzlich gefallener Würfe verzichtet worden,  da dort nur Angaben zu Geschlecht und Fellzeichnung möglich gewesen wären.  Die Gesamtzahl der angetroffenen Population ist mithin höher als das dem Protokoll zugrunde gelegte sample.
Die Aufteilung der Hundehalter nach ethnischer Zugehörigkeit wurde nach dem Muster der bisherigen Protokolle beibehalten.  Ihre Aussagekraft muß jedoch relativiert werden:  Zum einen decken sich die Kennzeichen für eine  Zuordnung  (z.B. Bekleidung, Schmuck,  Zelt- und Hüttenformen) nicht immer  mit den für Tuareg , Peul oder Bella  als jeweils typisch geltenden Merkmalen von  Physiognomie und Hautfarbe.  Bei  allgemein fortschreitender  Vermischung  unter der Bevölkerung Westafrikas  wird  auch innerhalb der nomadischen Familienverbände die Einheitlichkeit  des „eigentlichen“  ethnischen Hintergrunds  ihrer einzelnen Mitglieder  deutlich seltener, eine Tendenz, die durch das maternale Sippenprinzip der Tuareg  begünstigt worden ist.  In Hinblick auf unser Thema ist die gemeinsame Identität  von Touareg, Bella und den in Frage kommenden Fraktionen der Peul  als >Kel Tamaschek< ausschlaggebend:  Zu ihren kollektiven Eigenheiten gehört die Haltung der Azawakh-Windhunde als Teil  der gleichen Wirtschaftsweise. Wie die bisherigen Erhebungen zeigt  auch die vorliegende Auswertung, daß signifikante Unterschiede zwischen den von  verschiedenen pastoralen „Ethnien“  in den zentralen Savannen des Sahel  gezüchteten Idis nicht feststellbar sind. Dies gilt auch für die Kategorie „Andere“;  sie ist für das Protokoll gewählt worden, wenn im Einzelfall ethnische Indikatoren nicht erkennbar waren (etwa in dörflichen Ansiedlungen) oder die Begegnung mit den Hunden  in „freier Wildbahn“ stattfand. 

 

 

Die hier gezeigte prozentuale Verteilung der Ethnien  steht  nur bedingt im Zusammenhang mit ihrer überwiegenden oder dauernden Präsenz  in bestimmten Teilen der Region, da letztere ja nicht flächendeckend erkundet werden konnte  und, zum zweiten, die Mobilität der nomadischen Hirten hoch ist;  sie sind je nach Jahreszeit sowie lokalen Weide- und Wasserangeboten  in wechselnden  Wanderungsgebieten – unabhängig von den Staatsgrenzen – anzutreffen.  Dies wird auch im Vergleich mit  den differierenden Zählungen bei den Expeditionen von 2006 und 2003 deutlich, die zum Teil durch die gleichen Großregionen wie diesmal führten: Tuareg 46  bzw. 30 Prozent;  Peul  9 bzw.17 Prozent. Die jeweilig außergewöhnlich  hohen Anteile von dörflichen Haussa (2006 = 29 Prozent) und nomadischen Bella (2003 = 45 Prozent)   sind den  unterschiedlichen Expeditionswegen (in Niger bzw. Burkina Faso) geschuldet.

 


Die Aufteilung der Geschlechter mit einem deutlich gestiegenen  Anteil von 38 Prozent bei den Hündinnen (2006:  30 Prozent) weist auf den erneut  positiven Verlauf der vergangenen Regenzeit mit ausreichenden Subsistenzmöglichkeiten für die Halter und einen Nachholbedarf bei der Reproduktion des Hundebestands  nach zurückliegenden  Krisenjahren hin. Dem entspricht die erstaunlich hohe Anzahl der vorgefundenen Würfe mit vergleichsweise zahlreichen belassenen Welpen.  Die Beobachtungen  der bisherigen ABIS-Expeditionen weisen in den  letzt genannten Punkten   ökonomisch bedingte Schwankungen auf. So zählten wir 2003 - nach einer Krisenphase -  lediglich einen weiblichen Anteil von 25 Prozent,  2006 schon wieder  von 30 Prozent. 

Für das immer noch kraftvolle Erneuerungspotential der Azawakhpopulation legt auch die aktuelle  Altersstruktur Zeugnis ab.  Sie besteht  derzeit  fast zur Hälfte aus dem Nachwuchs der beiden  letzten  Generationen (bei einer vermuteten durchschnittlichen Lebenserwartung von 4 bis 5 Jahren),  wobei die jüngsten Würfe von unserem Protokoll nicht erfaßt wurden (vgl. oben).  Dabei darf jedoch nicht übersehen werden, daß  die Gesamtzahl der jährlich erfaßten Tiere stagniert , d.h. auch unter den zuletzt relativ günstigen natürlichen Bedingungen frühere Höchstwerte  (zum Vergleich:   213     Exemplare im Jahr  2000) nicht erreicht.  Der Bestand in der Ursprungsregion ist tendenziell bedroht.


Die Fellfarben und  -zeichnungen  bewegen  sich in dem seit jeher anzutreffenden Spektrum, wobei wie gewohnte Anteilsverschiebungen zu beobachten sind und Rot diesmal die absolute Mehrheit darstellt (2006 = 34, 2003 = 50 Prozent). Den nächstgrößer Anteil hat Sandfarben (2006 = 37, 2003 = 30 Prozent); die Stromung  liegt niedriger als in den Vorjahren (damals 12  bzw. 11 Prozent).
Blessen wurden verstärkt registriert (2006 = 22, 2003 = 14 Prozent), Halskrausen und Nackenflecke zeigen keine spezifischen Entwicklungstendenzen (2006 = 9 bzw. 7, 2003 = 28 bzw. 13 Prozent).

Die jährlich zu beobachtenden  Verschiebungen bei den einzelnen Prozentwerten  dürften neben den
Veränderungen innerhalb der Expeditionsrouten  und  der  nomadischen  Mobilität  - also dem Fehlen örtlich stabiler Vergleichsgruppen – angesichts der kurzen Lebenserwartung der Hunde zu einem Teil auf die schnelle Abfolge  der Vererbergenerationen  zurückzuführen sein, also zum Beispiel auf den raschen Wechsel  der jeweils dominierenden  Deckrüden in einem familiären oder örtlichen Verband.
 
Insgesamt beweisen die Farb- und Zeichnungsbefunde  ein weiteres Mal   die natürliche Varietät  innerhalb der Ursprungspopulation.   

 

 

 

 

 

 

Aufgrund der vom Deutschen Windhundzucht- und Rennverband  vor kurzem eingeführten Regelung,
ausgedehntere Weißzeichnung an Hals, Brust und Bauch als zuchtwertmindernd  zu betrachten, wurde erstmals eine entsprechende  Rubrik in das Beobachtungsprotokoll aufgenommen.  Der  Anteil von 25 Prozent in  der  Population des Ursprungsgebiets  belegt ebenso wie alle übrigen Erhebungen der zurückliegenden anderthalb Jahrzehnte, daß die Farb- und Zeichnungsvorschriften des in Europa  erstellten FCI-Standards   unkundig bzw. willkürlich sind.
 

 

Selbstverständlich  unterscheiden sich innerhalb der reinerbigen Landrasse des Ursprungsgebiets  die Exemplare durch  qualitative Merkmale.   Der für die dortigen Züchter und Halter zweifellos ausschlaggebende  Gebrauchswert des einzelnen Tieres (so etwa die Funktion als Herdenschutz- und Lagerhund, Sozialverhalten oder jagdliche Eigenschaften) kann unter Expeditionsbedingungen höchstens im Einzelfall verläßlich erfragt werden.   Details wie Farbe oder  Zeichnung  genießen bei den diversen Stämmen der Kel Tamaschek ganz unterschiedliche und oft gegenteilige Wertschätzungen, die sich von den jeweiligen Familienüberlieferungen  (und häufig von  abergläubischen Rückschlüssen auf  den Charakter des Tieres, so bei der Fellfarbe Schwarz) herleiten.   Für die Eingruppierung von hochtypisch bis wenig typvoll  benutzen die Beobachtungsprotokolle deshalb die der Rasse insgesamt  eigene anatomische Erscheinung (Format), wie sie auch im FCI-Standard richtig wiedergegeben ist.  Auf diese Weise wird zudem die Möglichkeit eines Vergleichs mit dem  außerafrikanischen Bestand in Anlehnung an die hiesigen Bewertungsskala (V / SG / G) hergestellt.

 


Exkurs:  Die Bewertung hochtypisch  mit 76 Prozent  entspricht ziemlich genau den 79 Prozent, die 2006 (unter Abzug der deutlich geringeren Einstufungen in den damals im Niger durchfahrenen dörflichen Siedlungen der Haussa)  an Hunde in nomadischem Besitz vergeben worden sind.  Für eine Reflexion des im Vorjahr in der Region  Niger mit einem dortigen Haussa-Anteil von 29 Prozent erfaßten Anteil von lediglich 27 Prozent hochtypischenHunden, die das Gesamtergebnis für 2006 auf 53 Prozent verringert hatten,   wurden die regionalen Werte unter dem ethnischen Aspekt näher in den Blick genommen. Für Niger ergibt sich 2007 ein Anteil von knapp 74 Prozent, wobei die nomadischen Halter mit 87 Prozent  diesmal die ganz überwiegende Mehrheit darstellen und die Haussa-Ethnie als Teil des kleinen Sektors „Andere“ auftaucht. Für Mali ergibt sich ein Anteil von gut 66 Prozent unter der Zuordnung von mindestens 83 Prozent an Tuareg und Peul.


Bezogen auf die Staatsgrenzen, die für die Hirtenstämme ja keine Rolle spielen, sind diese Angaben ohne kynologische Relevanz. Auch der  jeweilige Anteil der angetroffenen  nomadischen Ethnien Tuareg und Peul  ist aufgrund ihrer Mobilität nicht viel mehr als die Momentaufnahmen entlang einer stichprobenartigen Expeditionsroute von nur wenigen Wochen.  Signifikant mag jedoch die 2006 festgestellte graduelle Unterschiedlichkeit des phänotypischen Qualitätsbefunds innerhalb der nomadischen Hirtenkultur und bei den dörflichen Haussa  sein.  Letztere haben ihre Hunde zweifellos dem Azawakh-Bestand der Tuareg und Peul entnommen.  Wahrscheinlich ist jedoch, daß das  Fehlen des Traditionswissens der Nomaden bei der Wurfselektion, die geringe Leistungsauslese  und  die Nachteile der  Eng- und  Inzuchtvermehrung   unter den „Haushunden“   eines Dorfes  das  Erklärungsmuster für den schwächeren Anteil  anatomisch hochklassiger Exemplare darstellen kann.  Ein ähnliches Beobachtungsergebnis hat 2005 die Erkundungstour in das Bergland des Air  gezeitigt. Es konnte dort  allerdings nicht mit der ethnischen Struktur in Verbindung gebracht werden (es handelte sich  fast ausschließlich um eine Fraktion der Tuareg), sondern  mit der langfristigen Anpassung an die speziellen  topographischen,  klimatischen und ökonomischen Umweltbedingungen  und den entsprechenden Veränderungen  bei den Arbeitsaufgaben der Hunde in diesem „Isolat“.   Ähnliches habe ich bei früheren Reisen durch den Ahaggar feststellen können.
Das Expeditionsprotokoll  2007 bekräftigt die bisherigen Schlußfolgerungen unserer langjährigen Feldforschung:

Der Azawakh der Ursprungsregion hat seine ursprüngliche Erscheinung und Natur als Gebrauchshund aller  nomadischen Hirtenstämme im Sahel  bewahrt. Seine Zuordnung an bestimmte Ethnien, Regionen oder gar an neuzeitliche Staatsgebiete ist sinnlos.  Er ist überall dort als reinblütige Landrasse verbreitet, wo traditionelle Herdenwirtschaft auf der Grundlage der Transhumanz existiert.  Er besitzt ein unverkennbares anatomisches Format, das ihn von anderen Windhundrassen und  -schlägen des Kontinents trotz vermutlicher  gemeinsamer Wurzeln  unterscheidet.  Eigenschaften wie Farbe oder Zeichnung  weisen eine große Variationsbreite auf;  ihre Wertschätzung durch die Nomaden  ist   - wie bei anderen dem Azawakh zugeordneten  Vorstellungen - regional und sozial  unterschiedlich.

 

Die Rasse Azawakh , der in erster Linie und mit dem Blick auf ihr Fortleben auch außerhalb Afrikas unser Interesse gilt,  ist durch historische  Anpassung  an die Lebensbedingungen in den weiten Savannen und durch seinen Gebrauchswert für die Besitzer von wandernden Schaf- und Ziegenherden in Phänotyp und Wesen definiert.  Diese Voraussetzungen erlauben auch die Abgrenzung gegenüber  verwandten Windhundschlägen  im Süden  der  Sahara.

*********

 

Unsere Projekte in Tin Akoff

Wie in den letzten Jahren hat auch diese Expedition Impfstoffe für den Tollwutschutz in der Region mit Hilfe einer elektrisch betriebenen Auto-Kühlbox unbeanstandet über Niamey einführen können, ebenso ein großes Kontingent gespendeter Medikamente und medizinischen Zubehörs für den Sanitätsposten in Tin Akoff. Hinzu kamen wiederum Decken, Kleidungsstücke und Schuhwerk zur Verteilung unter den besonders Bedürftigen.  Neben Lern- und Lehrmaterial erhielt die Grundschule eine von unseren Berliner Freunden gesammelte Geldzuwendung für das Salär der Schulköchin und die Transportkosten der vom Staat in Verteilungszentren bereitgestellten Nahrungsmittel. Für den Beauftragten im Departement, Ayad ag Inachanan, konnte auch diesmal der seit Jahren übliche Betrag von  rd. 2 Millionen CFA (ca. 3.000 Euro) aus den Spenden der ABIS-Förderer aufgebracht werden. Das Geld ist zum Einkauf neuer Getreidebestände für das Hirsemagazin bestimmt und deckt Arbeitszeit und Sachausgaben für das Motorrad bei den Impffahrten in der Region ab. Darüber hinaus soll es Aufwendungen für die Pflege des Beligartens (mit Abgabe von Gemüse an die Schulküche) und die Versorgung von Ayads Azawakhfamilie (derzeit an die zwanzig Hunde) ermöglichen.  Zu seinem Auftrag gehört die Verteilung von Welpen an gute Plätze unter den Nomaden des Bezirks  sowie die Vertretung von „Azawakh-Belangen“ bei der Provinzverwaltung und in der Bevölkerung.

Für einige aus der Reisegruppe war ein Teil des dreitägigen Aufenthalts in Tin Akoff mit Projektangelegenheiten und „offiziellen“ Gesprächen belegt.  Es gab aber – neben Exkursionen mit Ayad zu Siedlungen seiner Peul-Wara-Wara-Sippe und den dortigen Azawakhs – auch das Wiedersehen mit Ayads Meute, darunter immer noch die Urmutter Taikoussou, die ebenso wie ihre Münchener Schwester Afrika  in Würde ihrem schon absehbaren Lebensende entgegenging. Mozart, unser Geschenk aus Mali an Ayad im vergangenen Jahr, hat sich zu einem bildschönen Rüden entwickelt. Elisabeths Patenhündin Caramel war wieder einmal Mutter geworden und kümmerte sich geduldig um die vielen kleinen Expeditions-Idis, die im ummauerten Geviert des ABIS-Campements ihr Unwesen trieben. Die meisten von Ayads Hunden haben die „ alten Afrikaner“ unter den Expeditions- teilnehmern  wiedererkannt und freundlich begrüßt. Zum Abschluß unserer Visite konnten wir eine fulminante Vorstellung der besten Tanz- und Musikgruppe des Departements miterleben.

Eine ausführliche Darstellung von Stand und Perspektiven der ABIS-Projekte folgt wie immer im Rahmen des nächsten Jahresberichts; bis dahin sollten uns  Ayads aktuellste Nachrichten erreicht haben. Zur Agenda  wird dann auch gehören, ob und in welcher Weise der von unseren Freunden in Berlin inzwischen eingetragene gemeinnützige Hilfsverein für Tin Akoff als evtl. künftig akkreditierte Nicht-Regierungs-Organisation (NGO) die Betreuung der bisherigen ABIS-Projekte weiterführen kann. Letzteres  würde es mir auch viel leichter machen,  die eigene Arbeitskraft der kommenden Jahre – Insh’Allah! -  wie geplant auf die Dokumentation der Rasse und ihre Erhaltung außerhalb der bedrohten Ursprungsgebiete zu konzentrieren. 

 

Für heute mit ganz herzlichen Grüßen                                             
 
             Werner Röder                                         München, im Mai 2007

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NB: Für alle, die sich eingehend und verläßlich über Geographie, Geschichte, Wirtschaft, Politik und Entwicklungsprobleme Westafrikas informieren wollen, gibt es jetzt einen vorzüglichen Sammelband:
Thomas Krings (Hrsg.), Sahelländer. Mauretanien, Senegal, Gambia, Mali, Burkina Faso, Niger.220 Seiten mit 140 Abbildungen und 13 Tabellen .Wissenschaftliche Länderkunden, WGB Darmstadt 2006. ISBN 13:978-3-534-11860-1.

 

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Und noch etwas in eigener Sache - die Azawakhs of Silverdale haben eine neue Website:
www.azawakhs.eu
Wenn Sie uns als Adresse oder als Link auf Ihrer Homepage führen, sind wir Ihnen für eine entsprechende Änderung dankbar.
WR

                               

 

 

Datum: Aktuell vom 25. März 2006. Referat zum Thema "Die 16. Azawakhexpedition nach Niger"
Von:

 

Die 16. Azawakhexpedition nach Niger, Mali und Burkina Faso vom 7. bis 25. Februar 2006

 

Die Reise der acht Teilnehmer begann im Schneetreiben und Air France hat es wieder einmal nicht geschafft, alle rechtzeitig zum Abflug der Niamey-Maschine nach Paris zu befördern. Die beiden Münchner Team-Mitglieder haben mit Hilfe von Royal Air Maroc erst am nächsten Morgen das Ziel via Casablanca er-
reicht. Aber immerhin: Air France hatte vor kurzem für Afrika-passagiere des Freigepäck auf 46 Kilo erhöht und wir haben den Spielraum von ca. 250 kg mit Hilfsgütern für Tin Akoff weidlich genutzt. Einschließlich der Tollwutimpfstoffe in einer elektrischen Auto-Kühlbox hat uns diese Fracht weit mehr als tausend Kilometer bis zum Bestimmungsort begleitet; drei starke Toyota-Geländewagen, die noch mit den Fahrern, einem Koch und zeitweisen „Guides“ besetzt waren, machten es mög-lich – und die begabten Mechaniker in Mahamane Yaous Crew, die u.a. auf afrikanische Art mit drei Federbrüchen fertig gewor-
den sind, für welchletztere allerdings eher die Beschaffenheit unserer wie immer höchst abenteuerlichen Route verantwortlich
war...

Der Weg sollte von Niamey über Filingue auf teilweise unkar-tierten Trassen nach Tahoua und Tchin Tabaradene führen, dem Ausgangspunkt der Tuaregrebellion in den 90er Jahren, von dort nach Norden in das Wadi Azawakh und dann weiter nach Mali. Ein zeitweiliges Begleitfahrzeug mit Treibstoff- und Wasservorräten war eingeplant und die Unterstützung durch die Garnison in Tchin Tabaradene abgesprochen. Aber das Militär hat wegen verstärkter „Bandentätigkeit“ jenseits der Grenze dann schließlich von diesem Kurs abgeraten. Und weil berichtet wurde, daß Tuaregnomaden derzeit vor allem in westlicher Richtung anzutreffen seien, haben wir uns entschlossen, die Oase Tillia über eine nirgendwo verzeichnete Piste anzusteuern. Die dortige Garnison der Meharisten,  einer nach dem Bürger-krieg geschaffenen Tuaregeinheit der Nigerarmee, hat uns einen ihrer Soldaten für den nächsten Reiseabschnitt mitgege-geben. Der Mann war zu einem Grenzposten irgendwo im Nirgendwo abkommandiert; durch seine Mitfahrt haben wir den Übertritt in den malischen Teil des Azawakhtals weit ab von allen bekannten Wegen bewerkstelligt. Ein anderer Targi begleitete uns vom letzten Militärstützpunkt im Niger zur mali-
schen Oase Tamalelt und hat es so eingerichtet, daß von der dortigen Grenzwache  (einer Tuaregformation in Stammestracht mit AK 47-Gewehren) die Weiterfahrt zum offiziellen Checkpoint Anderamboukane ohne die sonst bei afrikanischen Staatsorga-nen üblichen Schwierigkeiten und Tributzahlungen freigegeben wurde. Auch hier war – ebenso wie bei unseren Kontakten mit den Nomaden – das Reisen mit einer für unserer Sache wirklich engagierten Tuaregmannschaft dem Gelingen der Expedition in hohem Maße förderlich. Die weitere Route durch den südwestli-chen Teil des Azawakhtals, über Menaka, Telatai, den Brunnen Taouardei, Imenas, Gao, Ansongo und Tessit nach Tin Akoff und über Dori und Tera zurück nach Niamey folgte im wesentli-chen dem ursprünglichen Plan. Wirklich „sicherheitsrelevante“ Situationen hat es auf unserer Reise nicht gegeben. Lange Erfahrung vermittelt freilich auch einen sechsten Sinn für Atmosphärisches – nicht umsonst haben wir den nördlichsten Bogen unserer Route jenseits von Telatai, d.h. im Einzugsgebiet der algerischen Grenze, recht schnell und mit einer gewissen Vorsicht zurückgelegt; erst Tage später hörten wir von aktuel-len „Problemen“ in der Region Kidal, die unserer Einschätzung recht gaben.

Aufgrund einer günstigen Ernte in der letzten Regenzeit waren auch in Niger Spuren der Hungerkatastrophe des Vorjahrs auf den ersten Blick nicht erkennbar. Wasser- und Weideressourcen erschienen vergleichsweise normal. Veränderungen in den Lebensbedingungen der Nomaden sind trotzdem nicht zu übersehen; davon wird noch näher zu berichten sein.Ebenfalls besorgniserregend ist die nach wie vor fortschreitende Deserti-fikation in den Sahelprovinzen südwestlich des Nigerbogens, also auch in der Beliregion um Tin Akoff. Für die Viehwirtschaft lebenswichtige Binnengewässer wie die von Dori, Darkoye, Markoye oder Oursi haben sich dort von den letzten Trockenpe-rioden nicht mehr erholt, die kärgliche Grasnarbe weicht zuneh-mend dem Wüstensand. Es ist zu erwarten, daß akute Versor-
gungskrisen wie die des vergangenen Jahres in unserem Pro-jektgebiet die Regel bleiben werden. 

Eine ABIS-Expedition hat viele Facetten. Ich hoffe, daß es aus den Reihen der Teilnehmer dazu einige persönliche Schilderun-gen geben wird, und daß Fotos und Filme in absehbarer Zeit auf der Homepage und per DVD verfügbar sein werden.

Der folgende Bericht beschäftigt sich mit den zwei Kernpunkten unserer Arbeit: Der Azwakhpopulation im Ursprungsland und den mit ihr verbundenen ABIS-Projekten.

Im diesjährigen Azawakh-Protokoll wurden (ohne die auf Dauer im Besitz von Ayad ag Inachanan befindlichen Hunde ) 90 Exemplare verzeichnet. In Anlehnung an die bisher benutzte Aufschlüsselung ergibt sich das folgende Gesamtbild (Prozent-zahlen gerundet):

Ethnie der Besitzer

Tuareg  46 Prozent
Haussa 29 Prozent
Peul   9 Prozent
Bella 9 Prozent

Aufteilung nach Geschlechtern

 Rüden 70 Prozent
 Hündinnen 30 Prozent

Fellfarben und -zeichnungen

Sand 37  Prozent
Rot  34  Prozent
Creme 8  Prozent
Schwarz 1  Prozent
 Stromung 12  Prozent
Scheckung  3  Prozent
Blauer Überflug 4  Prozent
Schwarzer Sattel 2  Prozent
Blesse 22  Prozent
Schwarze Maske 17  Prozent
Grizzlemaske 3  Prozent
Halskrause 9  Prozent
Nackenfleck 7  Prozent

Gesamterscheinun

Hochtypisch 53 Prozent
Typvoll 38 Prozent
Weniger typvoll 9 Prozent

Zum Vergleich kann das Ergebnis der 13. Azawakh-Expedition herangezogen werden. Sie hat 2003 ihre Erhebungen auf einer teilweise ähnlichen Route vorgenommen und 86 Hunde erfaßt.

Erhebungen der 13. Azawakhexpedition 2003

 

Ethnie der Besitzer

 

Anzahl

 

in %

Peul

17

20

Bella

39

45

Touareg

30

35


Aufteilung nach Geschlechtern

 

Anzahl

  in %

Rüden

58

75

Hündinnen

19

25

Gesamtanzahl

86

 

Fellfarbe

 

Anzahl

  in %

Rot

47

50

Sand

28

30

creme

3

3

gestromt

10

11

Schecke

4

4

Grizzle

1

1

Blau/Schwarz 1 1

Fellzeichnungen

 
Anzahl
in %

Halskrause

16

28%

Nasenfleck

7

13

Blesse

8

14

schwarzer Überflug

4

7

schwarze Maske

9

16



Gesamterscheinung

 

 Anzahl

in %

weniger typvoll

       14

16

typvoll mit kleinen Fehlern

        27

31

hochtypisch

        45

53

 (nach: Elisabeth Naumann, Zur Azawakhpopulation in den Ursprungsgebieten    2003)

 

Die starke Veränderung bei den Besitzerethnien entspricht der  diesjährigen Routenführung (Haussa- und Tuaregzentren) und einer umständehalber kürzeren Verweildauer im Beligebiet (Bella und Peul). Die Aufteilung nach Geschlechtern ist stabil, das Überwiegen der Sandfarbe vor Rot und der relativ hohe Anteil von Creme entsprechen dem bereits oft beobachteten Wechsel bei den jährlich vorherrschenden Fellfarben, die auf die rasche Abfolge der jeweils aktiven Zuchtgenerationen zurück-
geht. Auch Blessen traten mit gut 22 Prozent deutlich häufiger auf als bei zurückliegenden Zählungen mit 14 Prozent. 

Bei der Beurteilung des Formats (Gesamterscheinung) verzeich-
net das aktuelle Protokoll einen Anteil von 53 Prozent für die Einordung als „hochtypisch“; dies entspricht ziemlich genau dem Ergebnis früherer Erhebungen.

Eine getrennte Auswertung nach groben geographischen Kate-
gorien zeigt, daß die von uns erfaßte Population in Mali und Burkina Faso mit 79 Prozent „hochtypischer“ Azawakhs erheb-lich über dem im Niger vergebenen Formwert von nur 27 Prozent rangiert; dort wurden 61 Prozent als lediglich „typvoll“ eingestuft. Billigt man dieser Differenz grundsätzliche  Aussage-kraft zu, wäre dies am ehesten mit dem hohen Anteil der bäuerlichen Haussa unter den dort erfaßten Hundehaltern (44 Prozent) erklärbar: Ihre ortsfesten Siedlungen begünstigen die Vermehrung durch Inzucht; als weiteren Unterschied zu den Nomaden dürfte bei ihnen auch keine Selektion im Sinne über-lieferter morphologischer Kriterien stattfinden.

Insgesamt gilt auch für 2006 das Fazit, daß die Struktur der Azawakhpopulation in den Ursprungsländern seit Beginn unserer Aufzeichnungen vor 10 Jahren im wesentlichen gleichgeblieben ist. Das spricht für die genetische Stabilität dieser reinblütigen Landrasse. Andererseits ist aber ihre künftige Existenzbedrohung noch deutlicher geworden:

Elisabeth Naumann vermerkt in ihrem Protokoll von 2003:

>Der Zustand der Azawakhpopulation  entsprach der krisenhaften Situation nach zwei ungünstig verlaufenen Regenzeiten.  Die registrierten Exemplare  liegen mit 86 deutlich unter den Zahlen der vorangegangenen Erhebungen (1996 bis 2001 zwischen 127 und 204 Azawakhs).  Dies sind natürlich keine objektiven Größenordnungen, zumal die jeweiligen Routen differieren und Streckenteile der 13. Expedition durch unbesiedelte Gebiete  führten.  Eine Abnahme des Bestands  in Krisenzeiten ist jedoch allemal die Regel; Lager und Ansiedlungen ganz ohne bzw. nur mit  vereinzelten Hunden  wurden häufiger als sonst angetroffen.  Dies gilt nicht nur für die Beli-Region und die Gourma, sondern auch für die Azawakhgebiete östlich des Nigers.<

Der Umstand, daß bei der diesjährigen Expedition durch zentrale Azawakhhabitate nicht mehr als 90 Exemplare dokumentiert wer-
den konnten, mag ebenfalls auf natürliche Rahmenbedingungen (z. B. Mißernten und Heuschreckenplage 2005) oder auf Zufällig-
keiten der Route zurückführbar sein. Bedenklichere Anzeichen kommen jedoch hinzu. An erster Stelle steht eine neue Spielart wirtschaftlicher „Globalisierung“: Geschäftsleute aus dem arabischen Norden und aus schwarzafrikanischen Nachbarländern wie Nigeria oder Ghana investieren in größere Rinder- und Kamelherden, für deren Betreuung ehemals selbständige Noma-den als extrem billige Lohnarbeiter verpflichtet werden. Die Tiere decken den Schlachtviehbedarf in Algerien, Libyen und anderen Anrainerstaaten mit offenbar erheblichen Gewinnspannen für die Geldgeber.  „Wir sind die Sklaven der Araber“ sagte uns ein Targihirte im Azawakhtal, der ein solche Herde auf dem Weg zwischen Wasserstelle und Weidegrund begleitete. Mit einer Auflösung der kleinteiligen Viehhaltung im traditionellen Familien-
verband wird der Nomadenwindhund über kurz oder lang seine Funktion einbüßen. Nicht unerheblich ist auch der „demographi-
sche Faktor“:  Aufgrund der kurzen Lebenserwartung im Sahel schwinden derzeit jene Generationen, die ihre nomadische Sozialisation noch in einer stark traditionsgebundenen Umwelt erfahren haben. Die Existenz- und Wertvorstellungen ihrer Nach-kommen unterliegen einem Modernisierungsprozeß. Zu beobach-
ten ist beispielsweise ein zunehmender Verzicht auf traditionelle Kleidung, Turban und Schwert. Auch die überkommene Hand-werkskunst findet offenbar immer weniger Nachwuchs: Das Neuangebot von Lederarbeiten, einheimischem Schmuck und klassischen Haushaltsgegenständen geht auf den Bedarfsmärkten in der Provinz deutlich zurück; ihre quasi industrialisierte Herstel-lung dürfte künftig vor allem in Tourismuszentren wie Agadez, Niamey oder Ouagadougou stattfinden. Der Nomadenwindhund ist Bestandteil der alten Wirtschaftsweise und ihrer Traditionen; mit deren Auflösung werden seine Lebensmöglichkeiten zunehmend enger.

Dies alles ist zunächst die Vorausschau auf eine in den Ansätzen erkennbare Entwicklung. Nach wie vor gilt, daß die Ursprungsge-biete des Azawakhs mit ihrem genetischen Reservoir die Möglich-
keit bieten, durch Importe den Fortbestand der Rasse außerhalb Afrikas auf Dauer zu sichern. Der zeitliche Spielraum hierfür wird aber seine Grenzen haben. Erschwerend kommen die bürokrati-
schen Hindernisse hinzu, mit der die Europäischen Union die direkte Einfuhr von Welpen de facto unmöglich macht. Leider war  Marya Morales (USA) in letzter Minute an der Expeditionsteilnah-
me verhindert; sie hatte den nach wie vor möglichen Import in die Vereinigten Staaten in Zusammenarbeit mit dortigen Aza-
wakhfreunden und unserem ABIS-Vertreter David Moore bereits im einzelnen vorbereitet. So haben wir zwei höchst vielverspre-chende Rüden aus dem Azawakhtal nur für die Placierung in Afri-
ka mit an Bord nehmen können: den sandfarbenen >Mozart< zur Zuchtergänzung bei Ayad ag Inachanan in Tin Akoff und den durch ein helles Creme ausgezeichneten >Snoopy< für Maha-manes Sohn Sidi, der sich einen originären Tuaregwindhund ge-
wünscht hatte. Die beiden Azis werden noch in den Fotos und Filmen der Expedition zu sehen sein.

Wir haben uns vorgenommen, für Anfang 2007 eine spezielle Mission in die Azawakh-Habitate vorzubereiten, die die Möglich-
keiten für den legalen Import von Welpen in oder über Drittlän-
der und mit allfällig zu beantragenden Ausnahmeregelungen nutzen soll. Hierfür wird die Zusammenarbeit von entschlossenen Liebhabern unserer Rasse im In- und Ausland frühzeitig gefor-dert sein.
Der Projektbesuch in Tin Akoff war – etwas verkürzt durch einen vorherigen Werkstattstop in Gorom – mit zahlreichen Pro-
grammpunkten ausgefüllt. Dabei gab es für die Expeditionsteil-nehmer Gelegenheit, sich mit typischen Lebensumständen einer entlegennen Sahelsiedung hautnah bekannt zu machen; auch diesmal gehörte ein Abend mit Musik und Tänzen der Bella im ABIS-Campement dazu.

Ayad ag Inachanan kümmert sich mit der ihm eigenen Energie um die von ABIS getragenen Projekte und Hilfsleistungen. Wie eh und je gilt seine persönliche Fürsorge den inmitten des großen  Fami-
lienclans lebenden Azawakhs und der gezielten Unterbringung ihres Nachwuchses; die zwölfjährige Stammhündin Taikoussou ist  - ebenso wie ihre Schwester in München - immer noch bei guter Gesundheit und damit wohl die einzige ihrer Art in Afrika.

Die Impfstoffe samt Zubehör haben, wie gesagt, die weiterhin gut funktionierende Gaskühlbox  im Campement für die bevorste-
hende Tollwutschutzimpfung im Departement wohlbehalten er-reicht. In einem Gespräch mit dem Vertreter des Hochkommissars und dem Leiter der örtlichen Veterinärstation konnten gewisse „Zuständigkeitsprobleme“ bei der Impfaktion ausgeräumt werden: Ayad hält die staatlichen Organe über seine Tätigkeit auf dem lau-fenden, führt aber die Impfungen wie bisher in eigener Regie durch. Auf diese Weise kann sich das ABIS-Projekt weiterhin auf den offiziellen Segen der Provinzverwaltung stützen.

In ähnlicher Weise haben wir die Transparenz der übrigen Hilfs-
bemühungen sichergestellt. Je ein Übergabeprotokoll mit Ver-
zeichnis und Zwecksetzung ist dem Präfekten, dem Hochkommis-sariat und der Schulleitung für ihre Akten ausgehändigt worden. Es benennt neben der Impfaktion die Ausstattung des Hirsemaga-
zins mit neuen Lagervorräten für die verbilligte bzw. kostenlose oder auf Kredit gestellte Ausgabe, die Lieferung von Textilien (an die 100 Kleidungsstücke und T-Shirts sowie Decken) und Schuh-werk (ca. 50 Paar) für das von Ayad ag Inachanan betreute Kin-derhilfswerk, die Ausstattung der Sanitätstation mit elektroni-
schen Diagnosegeräten, Verbrauchsmaterial und mit für den dortigen Einsatzbedarf gezielt ausgewählten Medikamenten zur kostenlosen Abgabe, Sach- und Geldmittel für die Schule ein-
schließlich des Jahreslohns für die Schulköchin und die Aus-schreibung von vier weiteren Stipendien zum Besuch auswärtiger Aufbauschulen; sie werden in Zusammenarbeit mit der Lehrer-
schaft vergeben werden. Erfreuliche Nachrichten über die Entwicklung der beiden bisherigen Stipendiatinnen konnten wir mit nach Hause nehmen. Für die besonderen Sach- und Geld-
spenden, die zu diesen Hilfen wesentlich beigetragen haben, möchte ABIS schon bei dieser Gelegenheit an Frau Dr. Reifenrath-
Klein, Professor Menges, Claudia Gemmato, Hildegard Krock, Peter H. Sander, Carola Knothe, Carmen Soisch, Christiane Thier-Rostaing und Ilse Stimpfl-Klann herzlichen Dank sagen.

Gefreut hat uns, daß sich vor unserer Abreise eine Delegation des Sanitätspostens mit seinem Chef, der Hebamme und den drei ört-lichen Kommissionsmitgliedern für die Unterstützung mit einem indigogefärbten „Ehren-Chech“ und traditionellen Handwerkspro-
dukten in aller Form bedankt hat. Ayad gab uns Grüße und Geschenke an ABIS-Freunde mit auf den Weg; darüber hinaus hat er zahlreiche hölzerne Schlüsselanhänger mit kunstvollen Mes-singintarsien und der Schrift >ABIS 06< anfertigen lassen; wir wollen sie als Erinnerungsgaben bei einer Azawakhzuchtschau zur Verfügung stellen.

Auch in Tin Akoff hat die Modernisierung in den letzten Jahren Spuren hinterlassen. Nach der Aufwertung als Verwaltungsort durch neue Häuser für Präfekt und Provinzkommissar und einer vermutlich mit saudischem Geld gebauten kleinen Moschee gibt es jetzt auch ein Zentrum für die Dorfjugend; dort gelangen mit Hilfe eines Generators und einer Videoanlage allabendlich Filme aus westlicher und asiatischer Billigproduktion zur Aufführung. Eine von der EU finanzierte direkte Autopiste ist von Gorom-Gorom aus in Bau und dürfte in ein paar Jahren Tin Akoff errei-
chen. Gorom ist bereits an das Mobiltelefonnetz angeschlossen. In Tin Akoff hat ein auswärtiger Investor diesen Perspektive durch die Errichtung eines Campements in parkartiger Beli-Lage mit komfortabel ausgestatteten Strohbungalows, sanitären Anlagen und einem Barbetrieb bereits Rechnung getragen. Natürlich ist ein künftiger Anschluß der Region an den „Rest der Welt“ zu begrüs-sen und möglicherweise wird eine neue Verkehrsverbindung die regionalen Vermarktungsmöglichkeiten für die Viehzüchter und die ganzjährige Güterversorgung zu Marktpreisen auf längere Sicht  verbessern. Das bisherige Hauptproblem, d.h. die mangelnde Fähigkeit zur Deckung des Existenzminimums aus eigener Wirtschaftskraft, wird auf unbestimmbare Zeit jedoch weiterbestehen. Daran kann auch ein erhoffter Touristenzuspruch kaum etwas ändern. Wir haben deshalb allen Grund, die bishe-rigen Hilfsanstrengungen fortzusetzen. Mit Blick auf die weiterhin zu erwartenden Auflösung traditioneller Lebensweisen und Wert-vorstellungen durch die von den Jüngeren häufig nicht zu bewäl-
tigenden Konfrontation mit der „modernen Zeit“ gewinnt der An-satzpunkt bei Alphabetisation und schulischer Weiterbildung dabei eine zunehmende Bedeutung.

ABIS ist ein Zusammenschluß mit vorrangig kynologischen Zielen, die weiterhin aktuell sind. Eine kooperative Arbeitsteilung würde uns angesichts der begrenzten personellen Ressourcen voranbringen. Deshalb ist die Gründung eines gemeinnützigen deutschen Vereins mit entsprechenden finanziellen Einwerbungsmöglichkeiten zugunsten der Schulförde-rung in Tin Akoff im Gespräch. Dies wäre eine gute Perspektive für die gemeinsame Weiterarbeit.

Neues werden Sie im nächsten Jahresbericht für 2005/2006 erfahren, der im Sommer erscheinen soll. Und, so hoffe ich, auf der bald schneller aktualisierten Website www.azawakhs.de.

Bitte denken Sie in der Zwischenzeit auch an unser Beitrags- und Spendenkonto (2309646 Dr.Röder/ABIS bei der Reuschel-Bank München, BLZ 70030000). Nach den jüngsten Projektausgaben (die Finanzübersicht folgt wie immer im Jahresbericht) bedarf es  dringend einer Auffrischung.
               
   
Herzlichen Dank dafür, daß Sie die Arbeit von ABIS durch Ihre Mitgliedschaft im Förderkreis möglich machen.

 

München, im März 2006                                        WR

 

 

 

 

Datum: Aktuell vom 19. Juli 2005
Von:

 

Liebe Freunde,

unsere Initiative ist recht gut vorangekommen. Dzt. haben wir 69 Unterzeichner, allein 12 aus Frankreich, weitere aus A, B, CH, GB, NL und USA, darunter 13 Zuchtstätten, 6 aus Deutschland (d.h. bisher die Hälfte der UW-Liste).  Ich hoffe, daß demnächst  weitere Namen (auch noch von Züchtern) hinzukommen, zumal seitens der ABIS-Mitglieder, da sich das Ziel des Arbeitskreises ja mit den Interessen von ABIS trifft. Bitte schaut in die Liste bei www.arbeitskreis-azawakh.com und gebt baldmöglich Nachricht, wenn Ihr dort als Unterstützer genannt werden wollt (Adressaten unter Cc:). 

Die >Denkschrift Nr. 1< wird gerade gedruckt  und dann u.a. an AZ-Zuchtricher und Verbandsvertreter  im In- und Ausland verschickt (80 Seiten DIN A4). Zum Bezug und zur notwendigen weiteren Verbreitung steht demnächst etwas auf der Website.
Hierzu nochmals die Bitte an die Homepage-Besitzer, entsprechende Links auf ihre Seiten zu setzen! 
Mit den besten Grüßen für heute
WR 

 

 

 

Datum: Aktuell
Von: www.arbeitskreis-azawakh.com

 

Liebe Azawakhfreunde,

in der Dateianlage finden Sie das Konzept eines im Aufbau begriffenen Arbeitskreises zum Thema „Weißzeichnung beim Azawakh“ und seiner Website www.arbeitskreis-azawakh.com.

Diese Interessengemeinschaft hat ein einziges Anliegen: Die Reform des FCI-Standards durch eine Streichung der dortigen Vorschrift, daß die „Scheckung“ auf die Gliedmaßen beschränkt sein müsse. Unsere Initiative hat nichts mit der persönlichen Bevorzugung dieser oder jener Fellfarbe und Farbverteilung zu tun. Gemeinsamkeit besteht aber in der Erkenntnis, daß ein Ausschluß bestimmter Farbvariationen den engen Gen-Pool der Rasse außerhalb Afrikas noch weiter einschränkt und damit eine Festigung des Azawakhbestands in den FCI-Ländern gefährdet. Es geht nicht um die Schaffung irgend einer neuen Windhundorganisation: Sobald der einzige Zweck des Unternehmens erreicht ist oder es sich herausgestellt hat, daß alle Anstrengungen doch vergeblich sein müssen, wird sich der Arbeitskreis auflösen.

 

Den Vorspruch auf der Homepage (s.Anlage) haben die am Aufbau des  Arbeitskreises mitwirkenden Personen  unterzeichnet. Sie hoffen, daß sich bis zum Online-Termin gegen Ende Juni  noch weitere Windhundleute dieser Erklärung anschließen (Zustimmung über mail@arbeitskreis-azawakh.com). Auch spätere Namensergänzungen sind möglich.

 

Wir bitten die Teilnehmer am A.A., die über eine eigene Homepage verfügen, unter >Neuigkeiten< auf den Arbeitskreis und seine Ziele hinzuweisen und einen direkten Link zu seiner Website einzurichten.

 

Mit den besten Grüßen für heute

Arbeitskreis Azawakh

>Eine Plattform im Interesse der Standardreform<

 

 


Datum:  
Von: Sandy Jud [sandyjud@bluewin.ch]

 

An das OK und alle fleissigen Mithelfer!

Ich möchte mich ganz herzlich bei allen bedanken die für den tollen Abend unserer ersten GV vorbereitet, gebastelt, organisiert haben!
Dank euch hatten wir einen super tollen Abend, informativ, gemütlich. genüsslich, spannend und unterhaltsam durch viele bezaubernde Azis!
Nochmals recht herzlichen Dank für die gute Bewirtung in der tollen Waldhütte, die liebevoll gestaltete Tischdekoration, die feinen Schlemmereien, die tollen Präsentli, für alle Mühe die Ihr mit viel Liebe in den gelungenen Abend investiert habt!
Ich freue mich schon auf viele Neuigkeiten im AZI-Forum und auf weitere News!
Eine gute erfreuliche Zeit mit unseren Azi-Hunden und auf bald!!
Ganz herzliche Grüsse an alle aus dem Thurgi von Sandra!

 

Datum: 17. April 2005
Von: Ed Rufer
Porsche contra Azawakh
Porsche contra Azawakh

Keine Panik liebe Tierschützer: es gab kein Rennen zwischen einem auf das äusserste getiunten Porsche und einem Azawakh Windhund. Auch gab es keinen Unfall zwischen diesen beiden Kontrahenten. Es floss in keiner weise nur ein Tropfen Blut.

Es geht vielmehr um die Wertabwägung zwischen einem Boliden auf vier Rädern und einem Rennhund.

Zu meiner Geschichte:

Meine Gattin und ich steuerten mit grosser Leidenschaft einen wirklich sportlichen und schnellen Porsche. Mitfahrer auf dem Notsitz war unser damaliger Whippet. Ein halbes Jahr nach dessen Tod entschlossen wir uns zu einer neuen Rasse Hund. Wir evaluierten in Fachzeitungen und Ausstellungen bis zum spontanen Entschluss, dass es ein „Azi“ sein muss.

Natürlich waren wir uns bewusst, dass es damit auf dem Notsitz unseres Sportwagens eng würde. Nach einem Jahr, als die Polizei vermutlich nicht mehr hätte erkennen können, ob Herr oder Hund von vorne gesehen am Steuer sass, half uns der Autosattler mit erstklassiger und luxuriöser Wertarbeit mit nicht gerade billigen Abänderungen der Notsitze.

Das dauerte nur kurze Zeit, dann war abzuwägen, ob Wohlwollen des Hundes mit Wagenwechsel, oder schöner Sportwagen nach wie vor. Der Entscheid fiel rasch und problemlos zugunsten des Hundes.

Mit dem neuen voluminöseren Touringmodell, auch ein sportlicher Wagen, löste sich das Problem nur kurz.

Nach zwei Jahren stiess durch Umstände die Schwester unseres „Azis“ zu uns. Darauf folgten natürlich die von Nöten werdenden Anpassungen durch den Autosattler.

Inzwischen waren wir so sehr „Azi“ begeistert, dass meine Gattin noch einen gestromten Artgenossen wünschte und prompt erhielt. Nach einem halben Jahr gab es zu meinem runden Geburtstag, als Geschenk, noch einen vierten „Azi“ und natürlich die daraus resultierenden Platzproblemen.

Also die Wiederholung des ganzen Prozederes.

Inzwischen ist Ruhe eingekehrt: die vier „Azis“ fühlen sich wohl beim Mitfahren im Wagen. Der angefressene Sportwagenfahrer bewundert nur noch das Porschemodell auf der Kommode und blättert von Zeit zu Zeit in Autofachbüchern.

Fazit: mit dem Porsche kann man nicht 24 Stunden im Tag seine Gesellschaft verbringen, mit den sehr schnellen und sportlichen Windhunden schon.

Mit dem Porsche konnten wir nicht Schweizer Meister werden, hingegen mit meinem schnellen „Azi“-Rüden schon.

Übrigens der erste unserer „Azis“ wurde von unserer Züchterin prompt Porsche getauft.


Datum: April 2005
Von: Dr. Werner Röder

NACHRICHTEN AUS AFRIKA

Liebe Mitglieder, Freunde und Förderer,

seit der Rückkehr der 15. Azawakh-Expedition sind fast zwei Monate ins Land gegangen – höchste Zeit also für einen ersten Bericht.

Es gab eine ideale >Besatzung< mit altgedienten Afrikafahrern und neuen Teammitgliedern, die ebenfalls persönliche Beziehungen zu Azawakhs und Windhunden mitgebracht haben. Carola Knothe, Susanne Leimgruber, Rudolf Caster, Gerhard Hanss, Prof. Dr. Hans-Wolfgang Menges, Peter H. Sander, Dr. Lutz Vollweiler, Rene Woerner und ich trafen uns am 1. Februar im Frankfurter Flughafen am Schalter der Royal Air Maroc. Sie bedient zu günstigen Tarifen (und bei tadellosem Service) einmal in der Woche von Casablanca aus – dort mit genügend Zeit zum Besuch der Großen Moschee oder der alten Kasbah - die Destination Niamey. Wir hatten ein großzügiges Limit für Hilfsgüter bekommen und bei neun Passagieren stapelten sich die Sachspenden für ABIS (einschließ-lich der Impfstoffe in ihren Kühlkapseln) in eindrucksvoller Menge.

Wir hatten uns diesmal vorgenommen, einen der letzten >weißen Flecken< auf der Landkarte unserer Azawakh-Feldforschung zu erkunden: das nordöstliche Niger mit dem Air-Massiv und dem Westrand der Tenere. Das war von unserem bisherigen Startpunkt Ouagadougou aus nicht zu bewerkstelligen. Da ABIS also nicht über eigene Infrastrukturen für Touren in dieser von der Sicherheitslage her manchmal problematischen Region verfügte, haben wir durch Vermittlung von Werner Gartung (Autor des Tenere-Buchs >Die Salzkarawane<, Oase-Reisen Bremen) die Dienste einer einheimischen Tuareg-Agentur in Anspruch genommen. Beides erwies sich als gute Wahl. Mahaman Yaou, seine Fahrer und der ab Agadez die Kolonne der drei Toyota-Landcruiser anführende Guide haben sich erfolgreich und mit wachsendem Engagegement bemüht, die vom gewohnten Niger-Tourismus ziemlich abweichenden Vorstellungen von uns >Azawakhleuten< zu verwirklichen. Auf der von ABIS geplanten, circa 3.000 km langen Route (bis auf die An- und Rückfahrt bis Tahoua bzw. ab Agadez Sand- und Geröllpisten und Dünenlandschaft) haben wir zahlreiche Nomadenlager besucht und in abgelegenen Wadis nach Windhunden Ausschau gehalten. Und dies mit Erfolg: 72 Idis wurden von Carola Knothe nach dem ABIS-Schema protokolliert. Daß man von einem >Air-Typ< des Azawakhs – also einem in diesem geographischen Isolat häufig vorkommenden Erscheinungsbild - sprechen kann (Ursula Arnold), scheint sich zu bestätigen.

Die Route führte, von Niamey aus, hinter Abalak auf die alte Sandpiste nach Ingal, über die Salinen von Teguidda-n-Tessoumt ins Air zur Oase Iferouane, dann in die grandiose Dünenlandschaft derTenere - natürlich auch zu den berühmten Sehenswürdigkeiten der >Blauen Berge< von Izouzaouzene und des Arakaou (>Krabbenschere<) einschließlich zahlreicher Fundstellen prähisto-rischer Felsgravuren - und weiter durch das südöstliche Air nach Agadez, dazwischen in abgelegene Täler (Koris), zum Beispiel das Wadi Tafidet, wo die Expedition einen auf diesen Namen >getauften< Azawakhwelpen adopiert hat.

Eine Satellitenkarte des Reiseverlaufs wollen wir im nächten Jahresbericht abdrucken. Peter Sander arbeitet an einer Reisebeschreibung, die in der Zeitschrift >Unsere Windhunde< erscheinen soll. Es sind viele großartige Fotos und Aufnahmen für ein Expeditionsvideo entstanden; sie werden demnächst auf CDs und teilweise auf der ABIS-Homepage abrufbar sein.

Elisabeth Naumann hat unsere Azawakh-Feldforschung in diesem Teil von Niger statistisch ausgewertet:

Ethnischer Zugehörigkeit der Besitzer

 
Anzahl
Verteilung in %
Peul
1
1
Bella
0
0
Touareg
61
86
Haussa
9
13

Aufteilung nach Geschlechtern

 
Anzahl
Verteilung in %
Rüden
55
78
Hündinnen
16
22

Fellfarbe

 
Anzahl
Verteilung in %
Rot
30
42
Sand
13
18
Creme
7
10
Gestromt
11
15
Schecke
5
7
Schwarz
5
7
Grizzle
1
1

Fellzeichnung

 
Anzahl
Verteilung in %
Halskrause
7
10
Nasenfleck
26
36
Blesse
9
12
Schwarzer Überflug
2
2
Schwarze Maske
11
15

Gesamterscheinung

 
Anzahl
Verteilung in %
Weniger Typvoll
37
52
Typvoll mit Fehlern
27
38
Hochtypisch
7
10

Haarkleid, Ohrstellung und Rute

 
Anzahl
Verteilung in %
Gröberes Fell
3
4
Feines Fell
68
96
Fehlerhafte Ohrstellung
24
33
Ringelrute
13
18
Kräftige Rute
29
40

Im Jahresbericht 2004/2005 wollen wir die Tabellen mit den bisherigen Ergebnissen aus anderen Regionen (Mali, Burkina Faso) in Beziehung setzen und Überlegungen zu Besonderheiten der Idi-Population im Air anstellen. Vorweg: Der dortige Schlag der Rasse ist insgesamt durch einen kräftigen, eher gedrungenen Körperbau mit guter Front und stabilen Vorderläufen gekennzeichnet, Schädelmaße, Halspartie, Rute und Ohrstellung entsprechen aber häufig nicht den Standardvorstellungen und der in den übrigen Verbreitungs-gebieten (Assouagh-Region, Mali und Burkina Faso) vorherrschenden Qualität.

* * * *

In Niamey haben Carola, Lutz und ich die anderen Expeditionsteilnehmer für den Rückflug nach Deutschland verabschiedet. Wir sind am nächsten Tag in Mahamans Toyota mit den ABIS-Hilfsgütern auf dem Dach nach Burkina Faso weitergefahren. Die in Niamey zwischenzeitlich sicher gelagerten Impfstoffe wurden in einer gemieteten Autokühlbox transportiert. Unsere einwöchige Projektfahrt nach Tin Akoff war zunächst durch das völlige Fehlen von Nachrichten für die vergangenen 12 Monate etwas überschattet. Wir wissen ja, daß die dortige Tätigkeit von ABIS ohne unseren >Delegue< Ayad ag Inacha nan in der bisherigen Form nicht weitergehen könnte: Irgendwann wird sein Lebenswerk zur Beute des Familienclans werden und dort ist noch niemand aufgetaucht, der in Ayads Schuhe schlüpfen könnte und der dessen Engagement für die Windhunde übernehmen würde. Aber wir haben Ayad gesund und munter angetroffen. Er hat seit dem Sommer 2004 mehrmals und offenbar vergeblich versucht, seinen Tätigkeitsbericht per Fax nach München und Berlin zu übermitteln. Wir haben nun mit Stephanie, einer jungen deutschen Entwicklungshelferin in Gorom-Gorom, Freundschaft geschlossen, sie wird über ihren e-mail-Anschluß den Kontakt mit Tin Akoff erleichtern.

Vorweg gesagt: Um die ABIS-Projekte steht es recht gut, aber die Situation insgesamt ist bedrückend – es hat eine weitere Mißernte und die bekannte Heuschreckenplage gegeben, die Binnengewässer sind mit Ausnahme des Beli vertrocknet, die Wüste dehnt sich weiter aus und Tin Akoff ist jetzt nur über Sanddünen erreichbar, die Grasnarbe stirbt ab, die Nomaden und ihre verblie-benen Herden suchen ihr Überleben in Mali oder im Süden – kurz, unsere lokalen Hilfsversuche sind geforderter denn je!

Wir haben die Jahressumme von 2.300 Euro für Hirsemagazin, Hunde, Campement, Beligarten, Delegue-Aufgaben etc. übergeben, die Impfstoffe in der immer noch verläßlich funktionierenden Gaskühlbox gelagert und Ayads Meute gegen Tollwut und Seuchen selbst geimpft, eine Spende aus Berlin von 300 Euro für die Schule ausgehändigt, über hundert Schulkinder in ihren Klassenzimmern mit ABIS-Taschen, Heften, Schreibzeug, Süßigkeiten und Spielsachen individuell beschenkt (ein richtig schöner >Event< mit Ayads Ansprachen über ABIS und die Idis). Die mitgebrachten Kleidungsstücke, Decken, Schuhe, Medikamente wurden zur Verteilung durch Ayads neu gegründetes >SOS Enfants< im Magazin hinterlegt und die Schulmaterialien für die Tamaschek-Alphabetisation aufgestockt, die im ganzen Departement gute Fortschritte macht . Dies alles sowie Sinn und Zweck der ABIS-Hilfsaktionen habe ich in einem Protokoll festgehalten, das auch der Präfekt, der Vertreter des Hochkommissars und der Schuldirektor zugunsten einer gewissen Transparenz erhalten haben – mit dem Hinweis darauf, daß das alles von jährlichen Verwendungsberichten abhängt und in der Erwartung geschieht, daß sich die Leute als Gegenleistung für den Schutz der Idis aufgeschlossen erweisen. An Ayad haben wir die diversen persönlichen Gaben , u.a. von unserem Amerika-Vertreter David Moore, übergeben und er läßt allen seinen herzlichsten Dank übermitteln. Es gab die mit Gastgeschenken ausgeschmückten offiziellen Besuche beim (neuen) Präfekten, dem Kommissar und dem (ebenfalls neuen) Chef des Veterinärpostens, der einen guten Eindruck macht und für eine künftige Zusammenarbeit geeignet erscheint.

Ayad hat aus Magazinerlösen eine Honda - Viertakt - Motorpumpe für den Beligarten erworben, ein Modell, das im dortigen Einsatz bewährt ist. Wir haben den Anschluß an die Schlauchleitung unserer alten Anlage eingerichtet, es muß nur noch der passende Ansaugschlauch besorgt werden, den wir in Dori nicht auftreiben konnten. Das in der Gegend produzierte und von ABIS aufgrund eines Fernsehberichts der ARD vorgeschlagene Fußpumpensystem ist (wie von unserem Berater, einem holländischen Bewässerungsfachmann in Burkina Faso, vorausgesagt) schon im Vorfeld nicht „angenommen“ worden. Es ist ja etwas Neues und verlangt körperliche Anstrengung ohne sofort spürbare Vorteile. Ein weiteres Beispiel für europäische Entwicklungsideen, die an solchen traditionellen Mentalitäten scheitern: Im Campement lagern inzwischen vier oder fünf Solarkocher, die eine wohlmeinende französische Dame zur Schonung der Brennholzressourcen unter’s Volk bringen wollte und mangels dortigen Interesses dann zurückgelassen hat...

Einige Familien in Tin Akoff hatten offenbar auf die Anfang 2004 von Oliver Becker entworfenen Patenschaften für den weiterführenden Schulbesuch von talentierten Absolventinnen und Absolventen der Grundschule schon konkrete Hoffnungen gesetzt. Leider ist dieses Projekt über die Ankündigungen im letzten Jahresbericht und auf der Homepage hinaus organisatorisch und materiell nicht weitergekommen. Immerhin hat aber Carola während unseres Aufenthalts für sich und ihre Tochter zwei Patenschaften zum Besuch des >Lycee< in Gorom einrichten können. Es wäre schön, wenn weitere ABIS-Freunde es ihr gleichtun würden.

Die Einfriedung um Ayads Anwesen ist fertiggestellt und hat positive Effekte in bezug auf die Azawakhmeute. Die Hunde akzeptieren die Lehmmauer trotz mehrerer offener Zugänge nun als ihr eigentliches Revier (mit entsprechendem Wachverhalten), bleiben von der vorbeiführenden Piste fern (dort gibt es vor und nach dem Mittwochsmarkt Lkw-Verkehr) und unternehmen anscheinend nur noch zu nachtschlafener Zeit selbständige Streifzüge durch das Dorf. Dies schützt die Tiere und verringert Konflikte mit der Nachbarschaft. Die zwölfjährige Taikoussou war gesund und munter, die Gesamtgruppe in gutem Zustand. Ayad platziert weiterhin Azawakhwelpen bei Interessenten in der Region. Außer zwei Jungrüden gab es diesmal keinen auf dem Hof verbliebenen Nachwuchs. Was mit Blick auf die Größe der Meute, die Harmonie in der Gruppe und ihre Versorgung zu begrüßen ist. Wir haben einen größeren Vorrat an Nahrungsergänzungstabletten für die Hunde dagelassen.

Im (neueren) zweiten Hofgeviert des Campements hat Ayad ein kleines Haus in Bankobauweise errichtet. Dort wohnt jetzt der Umweltschutzbeauftragte des Departements mit Katzen und Federvieh. Obwohl zu vermuten ist, daß seine >Amtsgewalt< bis auf weiteres eher nominell sein dürfte, paßt diese Nachbar-

schaft doch recht gut in das örtliche ABIS-Ensemble... Das Campement hat einige wenige Male Besuch von Touristen gehabt. Ayad führte eine holländische Gruppe von Tin Akoff nach Timbuktu. Es wird aber nach wie vor schwer sein, trotz der von Tin Akoff ausgehenden (aber natürlich treibstoff- und zeitraubenden) Buschpisten in Richtung Gao, Menaka, Hombori, Dogonland und Timbuktu europäische Agenturen und ihre durchschnittlichen Pauschalbucher für das Erlebnis von >Sahel pur< zu gewinnen. Gefragt wären Menschen mit ganz gezielten Interessen an Natur, Völkerkunde, Entwicklungsfragen und so weiter. Zusammen mit Marlies Glagow haben wir 2004 zum Beispiel über einen >Workshop< zur Heilkunde der Sahelnomaden nachgedacht (vgl. Programm-skizze im letzten Jahresbericht). Unser in Tin Akoff gewonnener Eindruck bestätigte, daß solche speziellen Projekte nur Aussichten hätten, wenn man sie zunächst im engeren Kreis organisieren und vor Ort ausprobieren würde, um sie dann Reiseveranstaltern mit einer gewissen Programmgarantie anbieten zu können.

Auf der Rückfahrt über Dori, Tera und Farie nach Niamey haben wir wie alljährlich die Tuaregfamilie Manafi in Zigaiberi aufgesucht. Wir sind dem >Marabut< Manafi und seinen damaligen Hunden bei der ersten Azawakhexpe-dition 1992 als einem der angesehenen Tuaregchefs der Region begegnet. Viele werden ihn als würdevolle Hauptperson in dem von ABIS betreuten PRO 7 – Film >Windhunde im Wüstensand< in Erinnerung haben. Die Familie wurde zum Opfer der sozialen Veränderungen: Ein Teil der ehemaligen Bella-Abhängigen ist schon vor Jahren nach Saudiarabien abgewandert, die anderen haben sich mit eigenem Ziegen- und Rinderbestand selbständig gemacht. Manafi konnte seine Herde allein nicht unterhalten, seine Reitkamele starben, die letzten Ziegen und Schafe mußten verkauft, Lederzelt, Schmuck und traditioneller Hausrat Stück für Stück für den Kauf der nötigsten Hirserationen zu Geld gemacht werden. Die vielköpfige Familie lebt nun in größter Ärmlichkeit und hat mit dem Verlust des Viehs auch ihr gesellschaftliches Ansehen eingebüßt. Die erwachsenen Söhne mit ihrer zunehmenden Kinderzahl scheinen trotzdem darauf zu warten, daß ihnen irgendwann und irgendwie ein möglichst arbeitsfreies Einkommen in den Schoß fallen möge, das ihnen als Angehörigen der traditionellen Herrenkaste angemessen ist... Der Tochter Mariam ermögliche ich seit einigen Jahren den Schulbesuch in Gorom-Gorom, in der Hoffnung, daß sie (wie viele andere Tuareg) einen produktiven Anschluß an die wechselnden Zeiten finden wird. Wir haben der Familie auch diesmal nützliche Geschenke, Arzneien, Nahrungsmittel und einen Notgroschen hinterlassen.

* * * *

Wir haben von unserer Projektfahrt nach Tin Akoff Ayads verschollenen Tätigkeitsbericht von Ende Juli 2004 mitgebracht. Danach wurden im vergangenen Jahr 280 Hunde und 20 Katzen gegen Tollwut geimpft, wobei je 50 Einheiten in den Departements Markoye und Gorom-Gorom, 25 Einheiten im Departement Deou und 50 Einheiten im Bereich der Provinz Oudalan (Dori) Verwendung fanden. Für das >Impfmoto< sind 136 Liter Benzin und 17 Liter Öl zum Gesamtpreis von 105.400 CFA verbraucht worden. Von 18 Prüfungskandidaten der Grundschule haben 11 die Zulassung zur Sekundarschule erhalten. Sie hätten sich bis Mitte September am >College< von Markoye oder am >Lycee< von Gorom-Gorom einschreiben müssen. (Diese Mitteilung bezieht sich auf den weiter oben schon erwähnten Stipendienplan.) Im Departement sind 25 Stützpunkte der Tamaschek-Alphabetisation mit durchschnittlich je 30 Teilneh-mern aktiv. Man bedankt sich für die von ABIS hergestellten Lehrbücher und die gespendeten Schreibmaterialien, die für die Arbeit außerordentlich wichtig sind.

Inzwischen haben wir – von Stephanie per Mail übermittelt – bereits aktuelle Nachrichten aus Tin Akoff. Die diesjährige Tollwutschutzimpfung ist im Gang und hat bereits etwa 200 Hunde erfaßt. Des weiteren besteht vielleicht die Möglichkeit, im Rahmen des >Programme de developpement local de l’Oudalan< ein ummauertes Areal für 78 neu zu pflanzende Obstbäume zu errichten (Mango, Guave, Datteln, Zitrone, Papaya), wenn gut 200.000 CFA Eigenbeteiligung an den etwa 1,8 Mio. Gesamtkosten aufgebracht werden könnten.

Ayad ag Inachanan schließt mit der Mitteilung:

> In diesem Jahr ist der Hunger groß und diese Hungersnot betrifft Mensch und Tier gleichermaßen. Wir bitten um Eure Hilfe.<

Vielleicht bietet sich ja die Möglichkeit, wie schon in einem früheren Krisenjahr einen Sondertransport mit Hirse zur Verteilung an die Bedürftigsten in die Wege zu leiten. Das könnten wir natürlich nur mit Ihrer Unterstützung tun. Für Spenden und eventuell noch ausstehende Mitgliedsbeiträge 2005 bin ich Ihnen also ganz besonders dankbar!

SPENDEN- UND BEITRAGSKONTO:

23 09646 00 Dr. Röder / ABIS

Bankhaus Reuschel & Co. München, BLZ 700 303 00

IBAN DE8370030300230964600

Die 15. Azawakh-Expedition hat ein weiteres Hilfsersuchen nach Hause gebracht. Es wäre schön, wenn einer von Ihnen die Verbindung zu einem möglichen Wohltäter herstellen könnte oder praktischen Rat wüßte:

Die Oase El Meki liegt im Süden des Air – Massivs, etwa 150 Kilometer von Agadez entfernt. Lebensgrundlage der Tuareg von El Meki sind die Erträge der seit alters her kunstvoll bewässerten Oasengärten: Früchte und vielerlei Gemüse, u.a. Tomaten, Zwiebeln, Bohnen, auch Mais, Iams und Kartoffeln. Trotz üppiger Ernten sind die Menschen in El Meki von zunehmender Verarmung bedroht, denn es fehlt das Bargeld für den Einkauf anderer lebensnotwendiger Dinge, für Schule, für medizinische Versorgung und für die Erhaltung ihrer Gartenanlagen und Häuser. Das Problem von El Meki ist einfach: Seine Produkte können nicht vermarktet werden, weil die Transportwege nach Agadez und anderen größeren Ansiedlungen mit Kamelen oder Eseln zeitlich nicht zu bewältigen sind. Ebenso einfach wäre eine Problem- lösung, die sich schon für andere entlegene Oasen bewährt hat: Die Gründung einer Verkaufsgenossenschaft, die mit eigenem Fahrzeug die Wochenmärkte und Restaurants in Agadez regelmäßig beliefern könnte.

Unser Freund Mahaman Yaou (Niamey) möchte den Leuten von El Meki bei diesem Projekt mit Rat und Tat zur Seite stehen. Er ist deshalb auf der Suche nach einem gebrauchten Lkw bis 10 Tonnen - das könnte ein buchmäßig abgeschriebenes Firmenauto sein, bei dem sich der TÜV nicht mehr lohnt, oder ein zur Aussonderung vorgemerktes Fahrzeug eines kommunalen Fuhrparks, aus Beständen der Feuerwehr, des THW oder ähnlicher Einrichtungen. Wichtig wäre natürlich ein möglichst kommoder Preis bzw. – im Idealfall - die kostenlose Abgabe für humanitäre Zwecke. Ich bin sicher, daß örtliche Medien darüber in Wort und Bild berichten würden: das ist dann auch eine schöne Sympathiewerbung für den Spender!

Für den Vorbesitzer entstehen keinerlei weitere Umstände oder Kosten. Mahaman Yaou (er hat ein kleines Expeditionsunternehmen) ist in diesem Sommer zum Abschluß von Agenturverträgen in Europa und würde für die Überführung auf dem Landweg über Algerien nach Niger sorgen. Wir hätten dabei die Gelegenheit, Hilfsgüter für ABIS als kostenfreie Beiladung mitzugeben.

 

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NOTA BENE

Der CLUB AZAWAKH SWISS hat 2004 durch seine Generalversammlung beschlossen, dem ABIS-Förderkreis korporativ als Mitglied beizutreten und ihn mit einem Jahresbeitrag von 200 SFr. zu unterstützen. Wir freuen uns über diesen schönen Vertrauensbeweis!

Homepage: www.club-azawakh-swiss.ch

ABIS-Mitglied ALBERTO ROSSI ist jetzt mit einer professionell gestalteten Azawakh-Website im Netz: www.azawakh-galgo.com (Italienisch und Englisch).

Sehr lesenswert ist dort u.a. Albertos grundsätzlicher Beitrag >Thoughts on standard and the difficulty of judging<.

Die AZAWAKHS OF SILVERDALE (Röder-Thiede / Naumann) melden die Geburt des M-Wurfs am 11.April – ein Rüde und sechs Hündinnen, rot und gestromt. Die gescheckte Mutter Safi kommt aus einer Tuaregfamilie in Markoye, Vater ist Ch. Jamil of Silverdale. www.silverdale.azawakh-abis.de.

ABIS bietet allen Mitgliedern an, unter www.azawakhs.de Links zu ihren Websites einrichten zu lassen. Die Homepage steht selbstverständlich auch für eigene Beiträge, Nachrichten, Wurfmeldungen, Berichte über Import-Azawakhs etc. zur Verfügung. Schauen Sie bitte auch hin und wieder in unser Forum und in das Gästebuch; es wäre schön, wenn sich jeder an den dortigen Diskussionen mit Meinung, Rat oder Auskunft von Fall zu Fall beteiligen würde.

In der Mai-Ausgabe von Unsere Windhunde erscheint ein Beitrag von ABIS-Mitglied Elisabeth Naumann über das Jagdverhalten der Azawakhs im Sahel mit Fotos aus Afrika: >Die Seele des Azawakhs will laufen...<. Sie stellt dabei auch die interessante Frage zur Diskussion, inwieweit sich diese eingeborenen Verhaltensmuster auf unseren Renn- und Coursingbahnen wiederfinden.

Im DWZRV kommt die Frage der Farbverteilung bei Azawakhs zunehmend ins Gespräch. Wie zu hören ist, sind die Zuchtrichter verbindlich angewiesen worden, Hunden mit mehr als den im FCI-Standard vorgesehenen weißen Abzeichen eine V-Bewertung zu verweigern. Diese Einschränkungen erscheinen auch vor dem Hintergrund der ABIS-Feldforschungen im Ursprungsgebiet kynologisch nicht haltbar.

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Zum Schluß ein herzlicher Dank für Ihr Interesse und für die wichtige Unterstützung, die Sie hoffentlich auch weiterhin der ABIS – Arbeit zukommen lassen. Im Laufe des Sommers wird der Jahresbericht für 2004/2005 erscheinen. Alle Mitglieder, Freunde und Förderer sind wie immer eingeladen, dazu auch mit eigenen Wortmeldungen und Nachrichten beizutragen.

Ihnen und Ihren vierbeinigen Familienmitgliedern wünschen wir eine schöne und erfolgreiche Zeit. Mit den besten Grüßen

Ihr

(gez.)

Dr. Werner Röder

im Namen der Association Burkinabe Idi du Sahel und ihrer Freunde in Afrika


 

Vorschau

Die 16. Azawakh-Expedition 2006 steht natürlich noch in den Sternen, wenn-

gleich einige >Unentwegte< und etliche Azawakhfreunde aus Europa und Über-see sich schon jetzt für eine Interessentenliste angemeldet haben.

Die derzeitigen Überlegungen sehen so aus: Wir haben uns in diesem Jahr auf die Air-Region konzentriert und dort die autochthonen >Idis< der Kel Ewey kennenlernen können. Die sich nach Norden bis ins Azawakhtal erstreckenden Wanderungsgebiete anderer Tuaregstämme und der Peul-Bororo zwischen dem Nigerfluß und dem Westrand des Air haben wir dabei relativ rasch durchquert. Die Begegnungen mit den dortigen Volksgruppen und ihren Windhunden machen aber Lust darauf, dieses Gebiet noch näher in den Blick zu nehmen und von dort aus in das Wadi Azawakh auf nigrischer und malischer Seite zu fahren, um unsere früheren Beobachtungen bei den Kel Dahoussahaq und den Oullimiden-Tuareg zu vertiefen.

Folgende Dreiländerroute käme vielleicht in Frage: Von Niamey über Beleyara und Filingue nach Abala (Ballol Bosso) und Sanam, Taberet und Tahoua, weiter über Tillia und Agarak durch das Vallee d’ Assouagh und über Menaka und Ansongo nach Tin Akoff, über Tera zurück nach Niamey.

Wir würden mit drei Fahrzeugen unterwegs sein, wobei eine mehr als sonst nötige Transportkapazität für Treibstoff- und Trinkwasservorräte für den Abschnitt Tahoua - Menaka freigehalten werden müßte. Deshalb wären acht Expeditionsteilnehmer voraussichtlich die Höchstzahl, aber auch das Minimum, um die Kosten in vernünftigen Grenzen zu halten. Drei Wochen sollte man dafür insgesamt ansetzen, Mitte Januar 2006 wäre ein günstiger Starttermin.

Insh’allah - Ich habe aufgrund der positiven Erfahrungen Mahaman Yaou gebeten, uns in den kommenden Monaten die Konditionen für eine solche Reise anzubieten. Damit wir das Unternehmen dann ggfs. weiter verfolgen können, müßte sich möglichst bald ein Kreis von konkret Interessierten zusammentun.

Vielerorts besteht großes – und sehr berechtigtes - Interesse an weiteren

Importen von Azawakhs aus der Ursprungsregion. Dabei sind die rigiden neuen Einfuhrauflagen der EU-Staaten sehr genau in Betracht zu ziehen. Bei Importwün-

schen ist deshalb die genaue Prüfung bestehender Möglichkeiten sowie eine längerfristige Vorbereitung unerläßlich.

We are contemplating an eventual 16 th Azawakh Expedition, covering a route as mentioned above on the territories of Niger, Mali (Azawakh Valley) and Burkina Faso (Tin Akoff). It should start in mid-January 2006 and would take approximate-ly 3 weeks. Team communication will be in German and English. Enrollment of prospective participants should take place as soon as possible in order to decide on further proceedings. Contact dr-roeder@gmx.de.

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